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Creators in running: Pierce Townsend
Story

Creators in running: Pierce Townsend

Pierce Townsend ist nicht nur Fotograf, er ist ein visueller Storyteller, der eine frische Perspektive in die Sport- und Lauffotografie bringt. Bereits in jungen Jahren macht er in der Branche Wellen.

Words: Sven Rudolph
Photos: Pierce Townsend

Editor´s note: In unserer neuesten Serie “Creator in Running” beleuchten wir die Geschichten und Kreativität talentierter Menschen, die das Wesen des Laufsports einfangen und so dazu beitragen, den Sport zu verändern. Die Serie soll die Verbindung von Kunst und der Laufsport-Community zeigen und neue Content Creator inspirieren.

“Ich denke, dass alle junge Fotografen einen Mentor haben sollten.”

- Pierce Townsend

Pierce Townsend ist ein talentierter Fotograf aus Austin, Texas, dessen Leidenschaft für das Einfangen von Bewegung und Emotion durch seine Linse bereits einen Teil dazu beigetragen hat, die Welt der Sport- und Lauffotografie zu verändern. Seine Arbeit beweist, dass Leidenschaft, Kreativität und die Bereitschaft, Neues zu erkunden, entscheidend sind, um die Welt auf neue und spannende Art einzufangen. In einem inspirierenden Interview mit uns spricht er über seine Gedanken zur Fotografie, die Bedeutung von Mentoren und gibt Einblicke in seinen bisherigen Weg.

más: Kannst du uns ein bisschen über dich erzählen und wie du zur Fotografie gekommen bist?

Pierce: Natürlich! Ich bin ein 19 Jahre alter Fotograf aus Austin, Texas. Ich bin am Stadtrand geboren und aufgewachsen und lebe seitdem hier. Obwohl ich nie einen Fotografie-Kurs besucht habe, hatte ich in der High School plötzlich eine Kamera in der Hand. Alles begann, als mein Freund Luke mich in den Audio- und Video-Club der Schule einlud. Ein paar Jahre lang filmte ich für den Jumbotron im Stadion und die Live-Übertragungen unseres Football-Teams. Meine Mutter bemerkte, dass mir das am Spielfeldrand zu gefallen schien, und schenkte mir zu Weihnachten eine Kamera.

Da wir mitten in einer Pandemie steckten, hatte ich nicht wirklich die Möglichkeit, damit zu experimentieren. Aber im darauffolgenden Februar kam Trials of Miles nach Austin, um ein OTQ-Track-Meeting namens “Texas Qualifier” zu veranstalten. Zu dieser Zeit waren keine Zuschauer zugelassen, aber ein paar Teamkollegen und ich fanden heraus, wo das Rennen stattfand. Also stiegen wir in unsere Autos und fuhren hin, um ein paar Fotos zu machen. Ich erinnere mich, dass ich über den Zaun fotografierte und zwei Porträts von Craig Engels und Clayton Young machte, die meine Leidenschaft für die Fotografie entfachten.

Neue Perspektiven entdecken

Das Foto, das für mich den Unterschied machte, war von Karissa Schweizer bei den Weltmeisterschaften 2022 in Eugene, Oregon. Das Foto hatte nichts mit ihrer Platzierung oder dem Ausgang des Rennens zu tun. Es war ihre starke Präsenz inmitten eines Kreises erschöpfter Läuferinnen, die mir ins Auge fiel. Da das neue Hayward-Stadion eine zweite Sitzreihe hatte, bot es mir eine neue Perspektive, das Rennen von oben zu betrachten. Die Veröffentlichung dieses Fotos war das erste Mal, dass die Leute wirklich auf meine Arbeit aufmerksam wurden, und es fühlte sich an, als hätte ich dem Sport irgendwie etwas zurückgegeben. Das ist das Ziel, solange ich in der Laufszene bin – dem Sport, der meine Karriere begann, durch meine Linse etwas zurückzugeben.

Deine Art, Sport zu fotografieren, ist ziemlich einzigartig. Kannst du uns mehr über deine Philosophie und deinen Stil erzählen?

Ich betrachte meine Fotografie definitiv mehr als Kunstform als eine Art Dokumentation. Dabei konzentriere ich mich auf den Moment und nicht auf das Offensichtliche. Beim Fotografieren von Sportveranstaltungen geht es nicht immer um die Siegerzeit, vielleicht nicht einmal um das Gesicht eines Athleten. Ich glaube, was ein Foto außergewöhnlich macht, ist, dass man nicht sofort „dies oder das“ daraus ableiten kann. Ein außergewöhnliches Foto wird nicht genug Kontext bieten, und deshalb den Betrachter animieren, es immer wieder zu analysieren, wie oder warum es aufgenommen wurde. Das bedeutet nicht, dass Fotos, die nicht dieser Denkweise entsprechen, schlecht sind. Sie können großartig sein; in der Tat fallen viele kommerzielle Arbeiten in diese Kategorie. Aber für meine persönliche Arbeit verwende ich diese Definition, um meinen Stil zu verfeinern und eine Arbeit zu präsentieren, auf die ich stolz bin.

Die Essenz des Laufens bei den Penn Relays

Dieses Foto entstand bei den Penn Relays 2022. Es war das erste Mal, dass ich so richtig mit einem Art Director und einem Creative Director zusammengearbeitet habe. Ich erinnere mich, dass ich über 7.000 Fotos gemacht habe und sie auf 50 reduzieren musste. Dabei habe ich viel über das Editieren gelernt und wie man die Bilder findet, die Bestand haben. Als ich mir die finale Auswahl ansah, dachte ich, dass diese Fotos meine Karriere verändern würden. Ich habe mich in sie verliebt. Das habe ich definitiv dem Vertrauen und der Ermutigung der großartigen Leute bei On zu verdanken. Aber zurück zum Foto: Es war ein einzigartiger Moment nach einem Männer-Masters-Rennen. Auch wenn viele meiner Arbeiten die rohe, emotionale Seite des Laufens betonen - den Schweiß, die Tränen, den Kampfgeist - gibt es doch auch Lichtblicke, die mich wirklich berühren. Einer meiner Lieblingsaspekte unseres Sports ist die Gemeinschaft.

Welche Ausrüstung hast du immer dabei?

Ich benutze eine Sony-Kamera mit einem 24-70-mm-Objektiv und einem 70-200-mm-Objektiv. In letzter Zeit habe ich ein Interesse an künstlichem Licht entwickelt. Die Verwendung eines Speedlights oder eines externen Blitzes hilft mir, einen bestimmten Look zu erzielen, besonders wenn das natürliche Licht nicht zum Bild passt. Ich experimentiere auch mit Filtern, die helfen können, ein dynamisches Gefühl zu erzeugen.

Was motiviert dich, in deiner Fotografie zu experimentieren und anders and Dinge heranzugehen?

Als ich anfing, stellte ich mich in eine Reihe mit Fotografen mit jahrzehntelanger Erfahrung und hoffte, dass mich das motivieren würde, die Lücke zu ihnen zu schließen. Diese naive Denkweise war respektlos gegenüber der Erfahrung, die man braucht, um zu den Großen der Fotografie zu gehören. Obwohl ich dadurch in verschiedenen Bereichen wachsen konnte, führte es auch dazu, dass ich mich als Individuum isoliert fühlte und Lernlücken entstanden, die ich später schließen musste.

Mit der Zeit bin ich als Person gereift und habe meine Denkweise von einer konkurrierenden zu einer kooperativen geändert. Das Sprichwort, dass Zusammenarbeit an der Spitze stattfindet, ist wirklich wahr. Heute betrachte ich die Großen als Inspiration und ihr Fachwissen als Bausteine für meine eigene Weltsicht. Es gibt einen großen Wert darin, über sich selbst zu lernen oder zu wissen, wer man ist. Jeder Mensch ist einzigartig und Fotografie ist eine Erweiterung des Individuums, und während wir als Menschen wachsen, wachsen auch andere Bereiche unseres Lebens. Es ist viel einfacher, das herauszufinden, wenn wir uns mit anderen umgeben. Was für eine wunderbare Welt, in der wir leben, in der Inspiration und Zusammenarbeit uns helfen können, die einzigartige Stimme zu finden, die in uns allen lebt.

Mit den Elementen spielen: Entwicklung einzigartiger Visionen

Dieses Projekt mit Melvin Echard war eine prägende Zeit, in der ich anfing, ein wenig mehr mit meinem Stil zu experimentieren. Die Wettervorhersage versprach blauen Himmel und warme Temperaturen, aber wir wurden vom Gegenteil begrüßt: Nebel, Regen und schlechte Sicht. Bedingungen, mit denen wir nicht vertraut waren. Wir stellten uns der Herausforderung und ich probierte jeden Trick aus, den ich kannte, bis wir auf eine Art zu fotografieren stießen, die mich verblüffte. Diese Fotos waren für mich besonders, weil sie das Laufen in einem neuen Licht zeigten, ohne digitale Manipulation, sondern direkt aus der Kamera. Sie fingen das ein, wonach ich gesucht hatte, seit ich die Fotografie als Teil meiner persönlichen Identität verinnerlicht habe. Mir wurde klar, dass die Formel einfach ist: neue Dinge ausprobieren, das Unbequeme in Angriff nehmen und so lange scheitern, bis man mit dem, was man sieht, zufrieden ist.

Welchen Rat würdest du jungen Fotografen geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Mit der heutigen leichten Zugänglichkeit, den Möglichkeiten der Selbstvermarktung und der Fülle an verfügbaren Ressourcen gibt es meiner Meinung nach keinen besseren Zeitpunkt für junge Leute, mit der Fotografie zu beginnen als jetzt. Mein wichtigster Rat ist, einen Mentor zu finden und an ihm festzuhalten. Jemanden zu haben, der die Lernkurve verkürzt, der einem hilft, die Herausforderungen der Branche zu meistern und der eine andere Perspektive auf die eigene Arbeit bietet, ist ein Game Changer. Ich hatte das Glück, Fotografen wie Joe Hale, Brenden Clarke und Aisha McAdams an meiner Seite zu haben, die mich auf mehr Arten und Weisen vorangebracht haben, als ich es mir je hätte vorstellen können.

Ein weiterer Faktor ist die Überzeugung, dass in manchen Fällen die Chance mehr wert ist als der monetäre Gewinn. In meiner Erfahrung hat sich jedes Projekt, in das ich mich ohne Erfolgsgarantie gestürzt habe, im Nachhinein zehnfach ausgezahlt. Nimm dein Ego beiseite, hilf anderen und du hilfst dir selbst. Und schließlich, pass auf, dass du dich nicht verlierst, indem du deine Arbeit zu deinem Leben machst. Fotografie ist ein aufregender Beruf. Die Dopaminschübe scheinen größer zu sein als alles andere. Es ist kein Wunder, dass wir uns in der Jagd verlieren, aber kein Dopaminschub ist es wert, Freunde zu verlieren, Panikattacken zu bekommen oder auszubrennen. Achte auf dich selbst. Langlebigkeit ist ein wichtiger Aspekt für eine erfolgreiche Karriere.

Was steht als Nächstes für dich an? Kannst du uns etwas über bevorstehende Projekte oder Ziele erzählen?

Neben meinen eigenen Projekten und Aufträgen suche ich nach Möglichkeiten, erfahreneren Fotografen zu assistieren. Von Leuten mit jahrzehntelanger Erfahrung kann man so viel lernen. Es wäre spannend, in einem kreativen Zentrum wie Los Angeles, New York oder London so viel wie möglich aufzusaugen. Natürlich würde ich dieses Wissen dann nach Austin zurückbringen, um es mit anderen zu teilen.

Außerdem freue ich mich auf The Speed Project im März. Das ist ein Rennen über etwa 550 Kilometer, an dem Läufer einzeln oder in Teams teilnehmen können. Ich wollte das TSP fotografieren, seit ich Brendens Arbeit mit David Kilgore gesehen habe, der in diesem Jahr den Solo-Zeitrekord brach. Ich freue mich riesig auf diese Erfahrung und darauf, die Grenzen meiner Kreativität auszuloten und zu erweitern.

Pierce, danke für das Gespräch!

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