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Katharina Steinruck zum Drama in Hamburg: „Ich hatte keine Chance“
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Katharina Steinruck zum Drama in Hamburg: „Ich hatte keine Chance“

Der Sturz von Katharina Steinruck beim Hamburg Marathon zeigt einmal mehr: Auch bei den Profis läuft nicht jedes Rennen wie geplant. Wie geht Katharina damit um – und was hatte es mit ihrem Wutschrei im Live-TV auf sich?

Photos: Florian Kurrasch

Die deutsche Topläuferin und ASICS-Athletin Katharina Steinruck ging mit einem ehrgeizigen, aber erreichbaren Ziel an den Start des Hamburg Marathons. Nach Wochen intensiven Trainings und starken Leistungen bei Wettkämpfen war ihr Selbstvertrauen auf einem Höchststand. Mit den neuen Carbonschuhen ihres Ausrüsters, den Metaspeed™ Edge Paris, hatte Katharina einen weiteren Trumpf im Ärmel. Im Januar dieses Jahres lief sie bereits eine Zeit von 2:24:56, und nun sollte in der Hansestadt der Familienrekord fallen (zum Coffee Run mit Katha). Diesen hält ihre Mutter Katrin Dörre-Heinig mit einer Zeit von 2:24:35, einst eine erfolgreiche Langstreckenläuferin der 80er Jahre. Katha war bereit, diesen Meilenstein zu erreichen und ihre eigene Story zu schreiben.

„Ich war einfach nur stinksauer und wütend!”

- Katharina Steinruck

Doch dann kam alles anders. Bis Kilometer 20 lag sie mit einer Gruppe von Läufern auf Kurs Bestzeit, lief 3:25er Kilometerzeiten wie ein Uhrwerk. Noch vor dem Halbmarathon kam es zum Unglück: Bei einer Verpflegungsstation griff sie, hinter mehreren Läufern im Windschatten rennend, ihre Wasserflasche – und sah nicht, dass ein Tisch, auf dem weitere Getränke platziert waren, direkt vor ihr stand.

Katha rannte ungebremst gegen die Tischkante und stürzte zu Boden, wie in der Liveübertragung zu sehen war. Zwar konnte sie noch aufstehen und weiterlaufen, doch der Unfall blieb nicht folgenlos. Katha griff sich immer wieder an die Hüfte. Wenig später ging sie zur Seite, warf sich auf den Asphalt und schrie so laut, dass man es über die Livekameras bis ins heimische Wohnzimmer deutlich hören konnte. Katharina ging zu Boden – und für die Zuschauer war klar: Das Rennen war für sie gelaufen.

Es ging ganz schnell – keine Chance für Katharina

Nur wenige Stunden nach dem Lauf treffen wir uns mit Katha im Hotel. Was geht ihr durch den Kopf?

„Ich habe das Video noch gar nicht gesehen“, sagt Katha. „So schnell kickt es einem aus dem Rennen raus. Ich hatte keine Chance zu reagieren“, erklärt Katharina. Sie habe zwar auszuweichen versucht, sei aber auf die falsche Seite ausgewichen – „da hab ich erst den Tisch und dann den Boden geknutscht.“

Ein anderer Marathonläufer aus der Gruppe habe sie an der Hand hochgezogen und angebrüllt „lauf weiter!“. Doch das sei nicht mehr möglich gewesen, so Katha: „Ich konnte den Schritt nicht mehr setzen, die komplette hintere Kette war dicht.“ Wenn Katha versucht, sich an den Moment zu erinnern, als sie die Strecke auf der Seite verließ, kommt ihr nur eines in den Sinn: „Ich war einfach nur stinksauer und wütend!“

„F*ck! Aufstehen! Weiter!“

An den Moment des Aufpralls könne sie sich hingegen kaum mehr erinnern. Es sei so schnell gegangen. „Ich erinnere mich nur, wie ich nach der Flasche greife“, sagt Katha, „dem Pacer, der vor mir rennt und stehen bleibt, ausweiche und weiterenne, um meine Pace zu halten – und in der nächsten Sekunde voll gegen den Tisch renne.“

Dann breche die Erinnerung ab. Sie sei gefühlt über den Tisch geflogen, Schmerzen habe sie in dem Schockmoment noch keine verspürt. „Natürlich kann es immer wieder in Rennen passieren, dass man stürzt. Es ist ja nicht mein erstes Rennen. Ich dachte nur: F*ck! Aufstehen! Weiter!“ Aussteigen sei für sie reflektiv zunächst keine Option gewesen. Doch dann sei die Erkenntnis eingesickert: Ein Weiterlaufen war nicht mehr möglich. Das war’s. Katha musste auf den Rand ausweichen.

Wieder aufstehen: Katharina Steinruck spricht über ihre Verletzungen

Rettungssanitäter hätten Katha, die am Rand sitzen geblieben war, zunächst versorgt. Am Oberschenkel und Knie sei dann langsam alles blau und dick geworden, erzählt sie. „Ich habe dann die Stellen mit Eispacks gekühlt“, erinnert sich Katha. Sie habe eine Prellung am rechten Oberschenkel erlitten – das linke Knie sei blau, schmerzhaft und leicht geschwollen. Eine befreundete Ärztin habe sie nach dem Rennen noch im Hotel aufgesucht und untersucht. Kleine Erleichterung: Am Knie sei nichts kaputt, Katha solle es bewegen, damit der Bluterguss nicht ins Gelenk laufe. „Wird die nächsten Tage nur höllisch wehtun – aber da muss man durch“, sagt Katharina tapfer. „Mein Becken war auch total verdreht – deshalb hat die hintere Kette auch so dicht gemacht. Das heißt morgen Physio und nochmal durchchecken lassen.“ Gehen sei ein bisschen schwierig, gibt Katha zu. Mental sei der Schaden aber größer, sagt sie.

Und der Familienrekord? „Meine Eltern leiden unglaublich mit. Meine Mutter ist traurig, dass mir schon wieder so ein Mist passiert“, sagt Katha. Ihre Mutter habe Katha gesagt, sie solle den Marathon einfach genießen – um einen schönen Abschluss für das harte Training haben. Bis zum Unfall sei Katha auch voll im Flow gewesen – auf Kurs 2:23. Sie erinnert sich auch an die tolle Stimmung an der Strecke, und daran, wie leicht es auf der ersten und eigentlich schwereren Hälfte der Strecke lief. „Ich weiß, dass ich die Pace rennen kann“, sagt Katha. „Beim nächsten Mal wäre es schön, das auf der zweiten Hälfte auch zu tun“. - Wir wünschen gute Besserung!

Sebastian Hendel sorgt für ein Happy End

Es gibt auch die guten Geschichten aus Hamburg. Eine davon schrieb der deutsche Langstreckenläufer Sebastian Hendel. Er stürmte bei seinem erst dritten Marathon zu einer fantastischen Zeit von 2:08:51 – trotz der Hitze und dem Wind, der in Hamburg wehte. Am Sonntag war gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen – Tausende Läuferinnen und Läufer waren auf der Strecke des Hamburg Marathons – angefeuert von Publikumsmassen quer durch die ganze Stadt.

Die Ergebnisse in der Übersicht

Frauen:

1. Irine Cheptai 🇰🇪 2:16:22
2. Winfridah Moseti 🇰🇪 2:18:25
3. Gotytom Gebreslase 🇪🇹 2:21:19

Männer:

1. Bernard Koech 🇰🇪 2:04:24
2. Haymanot Alew 🇪🇹 2:05:30
3. Philemon Kiplimo 🇰🇪 2:05:37

Die Ergebnisse der Deutschen:

Sebastian Hendel - 2:08:51 (PB)
Rabea Schöneborn - 02:35:07

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